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Ein Bravo auf den Vektor

von Dominik Bellert

Bravo_Seitenansicht

In der Modellkunstflugszene und ganz besonders in deren Kernsparte der F3A-Szene geht es manchmal wie in der Formel 1 zu. Dies trifft besonders dann zu, wenn es um neue Ideen, Kniffe und Tricks geht, welche die Flugeigenschaften der Sportgeräte verbessern sollen. Nachdem schon vor Jahrzehnten alle Möglichkeiten der Tragflächenprofile und – geometrien ausgeschöpft worden waren, hat man sich in den letzten Jahren überwiegend mit der Form des Rumpfes beschäftigt. Dabei wollte man zum einen den Stirnwiderstand und zum anderen die Tragfähigkeit im Messerflug beeinflussen. Letzteres hat zum Teil zu abenteuerlich aussehenden Rumpfformen geführt und die Ähnlichkeit zu manntragenden Vorbildern immer weiter reduziert. Das ist nicht weiter schlimm, zeigt jedoch welch´ spezielle Entwicklung diese Sportgeräte durchschritten haben. Mittlerweile hat man aber auch die Möglichkeiten der Rumpfformgebung ausgeschöpft, sodass es neue Ideen braucht um auch noch das letzte Quäntchen herauszuholen. Zunächst gab es da kleine Spoiler und Flügelchen, welche die Seitenruderwirksamkeit beeinflussen sollen. Dabei soll durch Bildung einer Wirbelschleppe im Messerflug der das Seitenleitwerk umströmenden Luft Energie zugeführt werden. Dies führt dann zu einer erhöhten Wirksamkeit des Seitenruders. Der Nachweis der Wirksamkeit solcher Vorrichtungen ist allerdings schwer zu führen. Es geht auch hier um Nuancen, die jeder individuell wahrnimmt.

Bravo Flügel

Spoiler zum Erzeugen einer Wirbelschleppe

Bravo_Zackenband

An der Flügelvorderkante angebrachtes Zackenband zur Beeinflussung der Abrisseigenschaften u.a. bei Snapfiguren

Die neueste Entwicklung ist der Einsatz einer so genannten Schubvektorsteuerung. Dabei wird der gesamte Antrieb, also Motor und Luftschraube um die Hochachse schwenkbar eingebaut. Das ganze wird mit einem starken Servo angelenkt und mit der Seitenruderfunktion gekoppelt.

Der Effekt dieser Vorrichtung ist im Vergleich zu vorgenannten Einrichtungen überaus  deutlich. Die Wirksamkeit der Seitenruderfunktion wird stark erhöht. Das führt dazu, dass alle Arten von Messerflug, also auch entsprechende Phasen von Mehrpunktrollen mit deutlich weniger Seitenruderausschlag geflogen werden können und der notwendige Anstellwinkel des Rumpfes reduziert wird. Auch andere Figuren, die wesentlich auf das Seitenruder angewiesen sind (Messerfluglooping, Stall-Turn, Rollenkreise usw.) lassen sich mit wesentlich weniger Seitenruder fliegen. Üblicherweise müssen bei fast allen Kunstflugmodellen Mischer eingesetzt werden, die gewissen Anomalien ausgleichen, z.B. Höhenruder zum Seitenruder, um einen gerade Messerflug zu ermöglichen.

Bravo_Flossen

Rücken- und Bauchflossen zur Unterstützung des Messerfluges

Bravo_Seitenruder

Seitenruder mit gespreizter Endleiste zu Verstärkung von Bremswirkung und Ruderwirkung

Bravo_Servo

Servo zum Schwenken des Antriebs

Ein entscheidender Vorteil der Vektorsteuerung ist, dass genau diese Mischanteile deutlich reduziert werden können bzw. ganz einfach entfallen. Der Schwenkbereich kann auf über +/- 10 Grad ausgedehnt werden. Im F3A-Bereich sind jedoch im allgemeinen keine großen Ausschläge erwünscht oder vonnöten, daher kommen hier auch eher moderate Auslenkungen von 3-5 Grad zur Anwendung. Ein weiterer Vorteil ist der, dass man seinen Seitenzug quasi elektronisch einstellen kann oder auch für jede Gasstellung mittels entsprechendem Mischer anpassen kann.

Bravo_Vektor1 Bravo_Vektor2
Bravo_Vektor3

Das Flugverhalten eines so ausgerüsteten Modells unterscheidet sich deutlich von konventionellen Modellen, sodass es eine Zeit dauert bis man sich daran gewöhnt hat und die Vorteile ausschöpfen kann.

Bedauerlicherweise wurde aber nun von der FAI (Fédération Aéronautique Internationale), also dem internationalen Luftsportverband entschieden, dass dieses System nicht den aktuellen Richtlinien ihres Sporting Codes entspricht, welcher bindend für die Teilnahme an offiziellen Wettbewerben ist.

Es darf demzufolge ab 2011 nicht mehr in der F3A-Bundesliga und auch nicht auf internationalen F3A-Wettbewerben eingesetzt werden. Sehr schade wie ich finde, denn so wird ein neues, sehr interessantes und innovatives System ausgebremst.  Für  alle Piloten, die keine Wettbewerbsambitionen haben,  bieten sich vor allem im 3D-Bereich völlig neue Möglichkeiten in Sachen Wendigkeit und Machbarkeit gewisser Kunstflugfiguren.

 

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